Wie uns Mama-Werden verändert

Dass eine Schwangerschaft in vielen Fällen zu lebenslangen, sichtbaren körperlichen Veränderungen führt, ist (leider) kein Geheimnis: von Dehnungsstreifen über Muttermale, Hängebusen bis hin zu Kaiserschnittnarben. Es gibt aber auch körperliche Veränderungen, die nicht sichtbar sind und wesentlich weitreichendere Folgen haben.

DNA im Körper der Mutter

Schon zu Beginn der Schwangerschaft wandert DNA des Kindes in den Blutkreislauf der Mutter. Bereits 4 Wochen nach der Befruchtung können Zellen des Fötus im Blut der Mutter nachgewiesen werden. Dies ermöglicht mittlerweile genetische Untersuchungen des Babys bereits ab der 10. Schwangerschaftswoche, ganz ohne die Risiken einer Fruchtwasserpunktion.

Zum Zeitpunkt der Geburt sind dann bis zu 6% der DNA im Plasma der Mutter vom Kind. Ein Teil dieser DNA bleibt ein Leben lang im Körper der Mutter. Was die Zellen dort machen, ist nur zum Teil erforscht. Untersuchungen deuten beispielsweise darauf hin, dass der Anteil kindlicher Zellen im Brustgewebe von Frauen mit Brustkrebs um nahezu 30% geringer ist als bei Frauen ohne Krebs. Eine Theorie dazu: der Anteil des väterlichen Erbgutes in der kindlichen DNA stimuliert das Immunsystem der Mutter ausreichend, sodass die Vermehrung von bösartigen Zellen keine Chance hat.

Manche dieser kindlichen Zellen können sogar die Blut-Gehirn-Schranke durchdringen und im Gehirn landen. Aber das sind nicht die einzigen Veränderungen, die im mütterlichen Gehirn stattfinden.

Veränderungen des mütterlichen Gehirns

Vergleicht man Magnetresonanzbilder von den Gehirnen von Müttern 3-4 Monate nach der Geburt mit solchen, die 2-4 Wochen nach der Geburt gemacht wurden, so findet man Erstaunliches: In dieser Zeit ist im Gehirn neue graue Substanz entstanden. Die graue Substanz ist ein wesentlicher Bestandteil des Zentralnervensystems und macht im Gehirn unter anderem die gesamte Hirnrinde aus. Sie ist somit hauptverantwortlich für unsere kognitiven Leistungen – von der Verarbeitung von Sinneseindrücken bis hin zu Gedächtnis, Motoriksteuerung, Sprache oder Motivation.

Die zusätzliche graue Substanz bei neuen Müttern entsteht in den Bereichen, die primär für Planung und Ausführung, Motivation und Belohnung, Wahrnehmung und sensorische Integration sowie Mutterinstinkt und Hormonproduktion zuständig sind. Diese Veränderungen werden zwar schon während der Schwangerschaft vom Körper vorbereitet, stattfinden sie aber erst durch entsprechende sensorische Stimuli durch das Baby – sehen, riechen, spüren und möglicherweise auch durch das Saugen des Neugeborenen beim Stillen.

Wenn Mütter also oft das Gefühl haben, dass ihr Gehirn nicht mehr so funktioniert wie früher, dann haben sie recht! Es kann jetzt nämlich mehr als vorher.

Literatur
Kim, Pilyoung; Leckman, James F.; Mayes, Linda C.; Feldman, Ruth; Wang, Xin; Swain, James E.  2010. The plasticity of human maternal brain: Longitudinal changes in brain anatomy during the early postpartum period. Behavioral Neuroscience, Vol 124(5), 695-700.
Gadi, 2010. Fetal microchimerism in breast from women with and without breast cancer. Breast Cancer Res Treat. 121(1):241-4.
Pincott, Jena. 2011. Do chocolate lovers have sweeter babies? The surprising science of preganancy. New York: Free Press.

Gedanken dazu? Ich lese sie gerne!