Buchrezension: Liebe und Eigenständigkeit

Alfie Kohn: Liebe und Eigenständigkeit

Liebe und Eigenständigkeit: Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung von Alfie Kohn (Arbor Verlag, 2010)

In 3 Worten: Beziehung statt Erziehung

In 300 Worten: Wenn unsere Kinder erleben, dass wir sie bedingungslos lieben, dann ermöglichen wir ihnen, sich selbst anzunehmen, so wie sie sind. Nicht nur, wenn alles glatt läuft, sondern auch, wenn sie Fehler machen. Dadurch können sie ein positives Selbstbild entwickeln und zu toleranten, respektvollen und hilfsbereiten Mitmenschen werden. Das ist die Grundidee des relativ kurzen und prägnanten Buches des US-amerikanischen Bildungsexperten Alfie Kohn. Das Buch gliedert sich in zwei Teile: Im ersten lässt Alfie Kohn viele traditionelle Erziehungsmethoden Revue passieren. Beispielsweise Bestrafungen, Belohnungen oder Liebesentzug. Er erklärt unter Bezugnahme auf Forschungsergebnisse, wie sich solche Methoden langfristig auf Kinder auswirken. Im zweiten Teil gibt er praktische Tipps. Dabei geht es vor allem darum, altersgerecht, respektvoll und gemeinsam mit den Kindern einen Weg zu finden. Er ermuntert dazu, öfter Ja zu sagen, mehr zuzuhören oder auch öfter flexibel zu sein. Er zeigt Alternativen zum klassischen Loben auf und hält ein Plädoyer für die Miteinbeziehung der Kinder in Entscheidungen. Während das Buch zwar sehr wohl konkrete Tipps gibt, so geht es im Grunde genommen um eine Geisteshaltung. Deren Grundannahmen sind ziemlich einfach: 1) Wir schauen auf das ganze Kind inklusive seiner Beweggründe, Gedanken und Gefühle und nicht nur auf sein Verhalten. 2) Die menschliche Natur ist von Grund auf gut. 3) Die Liebe der Eltern muss nicht durch entsprechendes Verhalten verdient werden, sondern wird von Herzen bedingungslos gegeben. 4) Wir arbeiten mit den Kindern anstatt an ihnen. Dieses Buch unterstützt uns Eltern auf diesem Weg mit überzeugenden Argumenten und handfesten Tipps. Denn im Grunde läuft es doch darauf hinaus: Wenn jemand in einer liebevollen, von gegenseitigem Respekt getragenen Umgebung aufwächst, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass dieser Mensch auch mit sich selbst und anderen ebenso liebe- und respektvoll umgeht. Und das klingt doch schon mal nach guten Voraussetzungen für ein erfülltes Leben.

Liebstes Zitat: Was zählt ist nicht nur, dass wir glauben, dass wir sie bedingungslos lieben, sondern dass sie sich bedingungslos geliebt fühlen.

Zu wem passt das Buch? Zu allen, die Kohns 4 Grundideen etwas abgewinnen können und die wollen, dass ihre Kinder täglich hören, spüren und erleben, dass die Liebe und Zuneigung ihrer Eltern nichts damit zu tun hat, wie die Kinder sich verhalten.

Diese Rezension basiert auf der englischen Originalfassung Unconditional Parenting: Moving from Rewards and Punishment to Love and Reason (Atria Books, 2006)

Links: www.alfiekohn.org

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